Hordentopf goes Sweden

Hordentopf goes Sweden

Kleines Paddel-ABC über eine Paddeltour im schwedischen Dalsland

 

A - Anreise

Da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Irene, Norbert, Susanne und ich haben uns für die bequemste entschieden, Kajaks auf’s Autodach, dann bis Kiel zum Schwedenkai und auf die Fähre nach Göteborg. André fuhr mit dem Zug und traf uns am Start auf dem Zeltplatz. Das verlief alles problemlos, wir wurden routiniert von den Einweisern in den Schiffsbauch gelotst, dann Kabinensuche. Die Bar auf dem Sonnendeck hatte auch schon geöffnet und es gab ein Abfahrtsbier. Für den Lacher des Tages sorgte vor uns ein SUV, den eine Möwe justament als WC auserkoren hatte und das ganze Auto vollsch … Der Fahrer holte sofort ein ganzes Sortiment von Läppchen und Pflegemitteln aus dem Kofferraum und war erst mal beschäftigt.

B – Bären

Sind auch in Schweden selten geworden. Es sei denn, man ist zur richtigen Jahreszeit da, dann gibt es in den Wäldern jede Menge Himbären, Blaubären und Erdbären.

C - Corona

Nachdem wir die Reise wegen der Pandemie zweimal in Folge verschoben hatten, konnten wir nun endlich dieses Jahr los.  Gott sei Dank!

D – Dalsland

Unser Reiseziel. Liegt ca 2 Autostunden nordwestlich von Göteborg und umfasst ein riesiges Seengebiet zwischen der norwegischen Grenze und dem größten Binnensee Schwedens, dem Vänern. Der Vänern ist zehnmal so groß wie der Bodensee und selbst ein hervorragendes Paddelrevier. Alle Seen sind miteinander verbunden, entweder durch Durchstiche, Schleuse oder kleine Portagen. Zum Glück hatten wir, von zwei heftigen Regengüssen abgesehen, großes Glück mit dem Wetter. Meistens schien die Sonne. Die Seen lagen ruhig da, nur zweimal mussten wir kräftiger gegen den Wind anpaddeln.

E – Elche

Schon die alten Römer hatten etwas über Elche zu erzählen — und zwar niemand geringeres als Julius Cäsar persönlich in seinem berühmten Buch “De Bello Gallico”. Hier schreibt Cäsar, dass es in Germanien Elche gäbe. Diese seien Ziegen ähnlich, nur etwas größer. Sie hätten abgestumpfte Hörner und ihre Beine hätten keine Gelenke. Einmal umgefallen, könnten sie sich daher nicht mehr vom Boden aufrichten. Um zu schlafen, lehnten sie sich deshalb an Bäume. Sobald sich die Tiere zum Schlafen anlehnten, stürzten die Bäume um. Und mit ihnen die Elche. Wer dem großen Cäsar dieses Jägerlatein aufgeschwatzt hat ist heute noch eine Frage für Philologen. (aus: https://blog.wwf.de/13-dinge-ueber-den-elch-von-caesar-bis-streusalz/)

Sei es wie es sei, wir,  genauer gesagt Susanne, haben eines Abends einen gesehen, der durch die Bucht, an der wie die Zelte aufgebaut hatten,  schwamm und dann in den Wald stakste und verschwand.

F – Frösche

Auch die gibt es reichlich, klar, wir waren ja in einem Seengebiet unterwegs. Übernachten bevorzugt in Paddlerschuhen oder IKEA-Tüten, ohne die ja bekanntlich kein Paddler auskommt.

G – Godt och Blandat

Schwedens meist verkauftes Weingummi und eine echte Institution, nicht nur bei Kindern. Wurde von einigen Mitpaddlern sehr geschätzt und war in der Gruppe eine harte Währung.

H – Hordentopf

Über den wurde im Vorfeld reichlich diskutiert und gelästert. Wir alle (außer Susanne) waren, was das Essen betraf, ja eher pragmatisch eingestellt (d.h. Tütensuppe und Gaskocher). Susanne dagegen bestand auf gekochtem Essen auf dem Lagerfeuer. Nach aufwändigen Internet-Recherchen fand sie dann einen Topf, der ins Kajak und durch die Luke passte. Böse Zungen behaupten, dass sie sogar ihr neues Kajak danach ausgesucht hat. Der Topf hat sich im Laufe der Tour echt bewährt. Nicht nur um für fünf Personen Nudel, Reis und Couscous zu kochen, sondern auch um darin Brot oder Kuchen auf dem offenen Feuer zu backen. Hat toll funktioniert und großartig geschmeckt. 

I – ICA

Die bekannte schwedische Supermarktkette. Hat wirklich im entlegensten schwedischen Nest noch eine Filiale. So auch in Gustafsfors, einem kleinen Ort, wo wir etwa auf der Hälfte der Tour vorbeikamen. Der Laden wurde als Familienbetrieb geführt. Opa an der Kasse, Mutter räumte die Regale ein und die lieben Kleinen wieder aus. Dort konnten wir unsere Kajaks wieder mit Proviant für den Rest der Tour auffüllen.

J - Jagen 

Die Jagdsaison geht in Schweden von August bis Februar. Wenn ihr also Euern Speisezettel anreichern wollt, nur zu. Angeln könnt ihr mehr oder weniger das ganze Jahr, das ist aber nicht schwedenweit geregelt, da müsst ihr Euch vor Ort erkundigen. Und eine Angelkarte kaufen.

K – Kanadier

Gibt es fast mehr auf den Seen als Mücken. Die Gegend ist sehr beliebt. Im Sommer werden Scharen von ahnungslosen Touristen in diese Leih-Blecheimer gesetzt und auf die Seen geschickt. Nicht unbedingt zu jedermanns Freude, vor allem wenn es sich um hormongeschwängerte Jugendgruppen handelt. Wenn ihr dem entgegen wollt, dann seid besser Ende Frühling/Frühsommer da. Das Wetter ist dann zwar noch etwas kühler und rauer, dafür seid ihr aber mehr unter Euch.

L – Lagerfeuer

Ein absolutes Must-Do am Abend. Ist manchmal etwas schwierig an Holz zu kommen (bitte keine Bäume fällen oder Äste abbrechen!). Normalerweise bringt der Betreiber der Zeltplätze regelmäßig Holz vorbei, das kann aber auch manchmal ausgegangen sein. Auf jeden Fall solltet ihr nur an den dafür vorgesehenen Stellen offenes Feuer machen. Die Waldbrandgefahr in diesem Gebiet ist groß. 

M – Mücken

Die Geissel aller Nordlandfahrer, besonders die kleinen, fiesen Kriebelmücken, die durch alles durchkommen und in Heerscharen auftreten. Typisches Erkennungszeichen der Reisenden ist immer die rote Linie auf der Stirn, da wo die Mütze/der Hut saß. Da hat man dann meistens ein paar Duzend davon. Gegen die Mücken helfen nur stoische Duldsamkeit (nicht kratzen!!!), ein gute Mückennetz und ein fieses, ökologisch absolut bedenkliches Mückenspray.

N – Nachtruhe

Solange ihr nicht mit notorischen Krawallschnarchern unterwegs seid, sollte die gewährleistet sein. Es sei den, auf der Nachbarinsel zeltet eine Horde von jungen, männlichen, betrunken-gröhlenden und unterbelichteten Paddlern. Rammstein aus dem Brüllwürfel bis 3 Uhr nachts muss man mögen.

Da hilft nur Batterien für den Brüllwürfel klauen (wenn möglich), buddhistische Gelassenheit, oder wenn ihr noch nicht so weit seit, früh am nächsten Morgen aus Rache die Kanus losbinden und abtreiben lassen.

O – Oldtimer

Das ist keine Anspielung auf das Durchschnittsalter unserer Reisegruppe, gemeint sind hier alte Autos (vorwiegend amerikanische). Es scheint ein beliebter Zeitvertreib auf dem Dorf zu sein, abends mit seinem Oldsmobile oder T-Bird um den Block zu fahren.   

P – Proviant

Das Meiste hatten wir mit. Es gab unterwegs wenig Möglichkeit einzukaufen. Ihr macht also besser eine Proviantliste und einen Speiseplan für eure Tour.

Q – Quasseln und Quatschmachen

Dazu habt ihr reichlich Gelegenheit abends am Lagerfeuer.  Alternativ könnt ihr aber auch Gesellschaftsspiele einpacken oder ein Buch lesen. Oder gepflegt auf den stillen See starren.

R – Rotwein

Existentiell für das Gelingen der Tour. Wir hatten insgesamt 15 L mit. Hat leider nur bis zum vorletzten Abend gereicht. Aber man muss ja auch nicht immer Alkohol trinken.

S – Sonne

Die hat reichlich geschienen und das fast rund um die Uhr. Die Abenddämmerung ging nahtlos wieder in die (Vor-)morgendämmerung über. Klar, wir waren ja um Mitsommer da.

T – Tarp

Ein sehr nützliches Stück Reiseausrüstung. Kann man zwischen die Bäume wie ein Baldachin spannen und prima im Regen druntersitzen.

U-Boote

Haben wir keine zu Gesicht bekommen. Auch keine russischen.

V – Vielfraß

Damit sind nicht etwa die Essgewohnheiten einzelner Paddler gemeint, sondern das größte Tier der Marderfamilie. Der kann ordentlich zubeißen und ist durchaus ein ernstzunehmendes Raubtier. Aber keine Sorge, der Vielfraß wird bei Kontakt mit Menschen eher versuchen zu flüchten. Und Tiger gibt es auch nicht in Schweden. Tiger of Sweden ist bloß ein Modelabel.

W – Wasser

Braucht ihr keines mitzunehmen. Wir haben überall bedenkenlos aus den Seen getrunken. Allerdings solltet ihr für das Abendlager das Wasser nicht direkt aus Ufernähe nehmen. Am besten habt ihr einen Faltkanister dabei und schöpft das Wasser unterwegs.

X – Xylophon

Hatten wir keines dabei. Hätte nicht ins Kajak gepasst. Aber wenn ihr ein Musikinstrument mitnehmen wollt, nur zu. Ich bin gespannt auf den ersten Einsatz einer Faltgitarre.

Y – Ystad

Südschwedische Stadt, auch von hier aus kann man nach Schweden gelangen (Strecke Sassnitz/Rügen – Ystad).

Z – Zeltplätze

Die Zeltplätze werden von einem lokalen Betreiber (DANO-Camping) betrieben und in Schuss gehalten. Ihr braucht eine DANO-Card um die Shelter-Plätze zu nutzen. Die Plätze sind meistens mit einem niedrigen, nach vorne offenen Unterstand ausgestattet, einem Plumpsklo und einem Baumstammkaree als Sitzmöbel. Man sitzt drauf recht komfortabel um die gemauerte Feuerstelle. Um das (hoffentlich) bereitliegende Holz in handgerechte Stücke zu bekommen, müsst ihr eine Säge und eine Axt mitbringen (und wissen, wie man damit umgeht). Bis zu einer Gruppengröße von 5 könnt ihr aber auch wild zelten.

Ansgar

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