Herbstfahrt 2020 an den Vorderrhein (Schweiz)

Nachdem in diesem Jahr alle Gruppenfahrten mehr oder weniger der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen waren, wurde die Herbstfahrt in der ersten Ferienwoche trotz aller Umstände geplant.

Der arme Christian (als Leiter der Fahrt) musste sich im Vorfeld sicher eine Vielzahl von Anrufen und Fragen gefallen lassen, doch die Entscheidung stand: Wir fahren an die Soča.

In den vergangenen Jahren war dieses Ziel immer kurz vor dem Herbst gestrichen worden, da nie ausreichend Wasser vorhanden sein sollte. Doch das Jahr 2020 wollte alles anders haben - neben dem Hygienekonzept, der Nutzung der Vereinsbusse, dem Entwicklungsstand der neuen Paddler aufgrund des Wegfalls der anderen Fahrten an Ostern und im Sommer, kam es Mitte Oktober dazu, dass die Soča ein deutliches Hochwasser zu verzeichnen hatte und somit kaum oder schwerlich befahrbar sein sollte. Drei Tage vor Antritt der Fahrt stellte sich nun die Frage, ob diese Fahrt aufgrund aller eingetretenen Umstände abgesagt werden sollte oder ob den Teilnehmern ganz kurzfristig ein neues Ziel vorgestellt werden konnte. Mit Unterstützung der anderen Betreuer konnte Christian am Mittwoch (Samstag war die Abreise) den Teilnehmern den Vorderrhein in der Schweiz per Mail präsentieren.

Die Jugend traf sich kurzfristig online, um Boote, Zelte und warme Ausrüstung zu planen. Leider gab es noch kurzfristige Absagen, aber am Ende konnten wir mit 17 Teilnehmern, darunter 10 Jugendlichen, die Fahrt starten.

Hier nun Antworten von Leander und Emily, die auch Ihren Beitrag zum Artikel beisteuern wollten:
1. Wie hat euch die Fahrt gefallen?
L.B.: War einfach nice, perfekte Temperatur.
E.C.: Mir hat die Fahrt persönlich sehr gut gefallen, sie war sehr abwechslungsreich und hat viel Spaß gemacht. Nächstes Mal komme ich auf jeden Fall wieder mit!

2. Was war nicht so toll?
L.B.: Das Umziehen war das einzige, was mir nicht so gefallen hat. War aber trotzdem mal erfrischend, die pure Kälte zu spüren.
E.C.: Ich fand das Wetter manchmal nicht so toll, da es sehr kalt und regnerisch war, sonst war aber alles in Ordnung.

3. Wie war der Fluss/ der Campingplatz?
L.B.: Der Campingplatz bot eine wundervolle Aussicht auf das Tal und die Berge und wir waren die einzigen Gäste dort und es war echt chillig. Der Fluss hatte die perfekte Schwierigkeit für alle und hat auch den meisten Spaß gemacht. Blöd war nur, jeden Tag die gleiche Strecke zu fahren, außer an zwei Tagen. Das obere Stück am Vorderrhein war dann eine willkommene Abwechslung und der Glenner war sowieso einfach g…(großartig). Außer die kleine Panne, die wir (oder besser Iain) dort hatten.
E.C.: Der Campingplatz war relativ einfach gestaltet, es war aber trotzdem alles da, was man gebraucht hat (bis auf WLAN). Die Toiletten und Duschen waren in einer großen Holzhütte, die in der Mitte geteilt war für Männer und Frauen. Der restliche Bereich zum Zelten war in mehrere Etagen unterteilt, mit ein paar Feuerstellen und Bänken dazwischen. Der Fluss hat mir auch ganz gut gefallen, wobei die Soča vielleicht noch besser gewesen wäre, da sie wahrscheinlich mehr verschiedene Strecken hätte. Ansonsten hatte die Standardstrecke ein paar schöne Kehrwässer und war auch sonst gut für fortgeschrittene Anfänger geeignet.

4. Wie hat euch die Gruppe gefallen?
L.B.: Alles sehr korrekte Leute.
E.C.: Ich fand die gesamte Gruppe sehr nett und harmonisch. Ich war vorher noch nie bei einer Vereinsfahrt dabei und war deshalb froh, dass ich relativ schnell Anschluss in der Jugend gefunden habe.

5. Wie froh wart ihr, dass die Fahrt trotz Corona durchgeführt wurde?
L.B.: Sehr froh! 10/10
E.C.: Ich war sehr froh, dass die Fahrt trotz der Pandemie stattgefunden hat. Es war nicht nur genereller Urlaub, sondern auch von den ganzen Vorschriften und Regeln. Das hat natürlich auch ein gewisses Risiko mit sich gebracht, ich war aber bereit, dies einzugehen.

6. Was können wir besser machen? Fazit.
L.B.: Die Entscheidung an den Vorderrhein zu fahren, kam meiner Meinung nach etwas kurzfristig, aber war eine gute Alternative. Hat insgesamt echt Bock gemacht und sich sehr gelohnt. Nächstes Mal wird auch kein Pissoir zerstört.
E.C.: Ich denke, dass ein Spülplan gut wäre, da es manchmal Diskussionen deshalb gab. Ansonsten fällt mir nichts ein, außer dass Sylvia nächstes Mal einen Pürierstab einpacken sollte und am besten auch keine Pissoirs mehr kaputt gehen sollten. Zusammenfassend war die Herbstfahrt ein Erfolg, kann gerne wiederholt werden und geht dann hoffentlich wirklich nach Slowenien!

Auch aus Sicht der erwachsenen Teilnehmer/ Betreuer war es eine gelungene Fahrt. Leider mussten wir uns aus gesundheitlichen Gründen frühzeitig von Uli verabschieden, und die Uli war so nett, ihn nach Hause zu fahren. Mittlerweile ist er aber wieder gesund und munter, und kann auch wieder paddeln gehen. Iain braucht auf jeden Fall einen neuen Helm und einen neuen Reißverschluss am Trockenanzug. Tobi wird für die nächste Fahrt ein anderes Boot brauchen, aber ansonsten haben wir alle heile und gesund wieder zurückgebracht.

Wir haben viel gelernt, einige sind an gewisse Grenzen gestoßen, oder auch an Steine, aber wir hatten viel Spaß und freuen uns schon auf die nächste Fahrt, hoffentlich irgendwann mal ohne Corona-Auflagen.

Herbstfahrt 2020 MarcelundJugend

Herbstfahrt 2020 Wandertag

Herbstfahrt 2020 vereiste Scheibe

Herbstfahrt 2020 Gruppenbild

Emily, Leander B., Sylvia

Brandungssurfen auf Juist – Herausforderung und Freude (Oktober 2020)

Ich kann es immer noch nicht richtig glauben. Ich bin auf Juist erfolgreich in der Brandung gesurft. Am ersten Tag bin ich auch zweimal geschwommen und  war schon recht schnell kaputt, allein vom Starten und Rauspaddeln durch die Brandungswellen. Spaß gemacht hat es trotzdem. Aber am zweiten Tag hat es geklappt, das In-die Welle-Kanten und Stützen. Es hat richtig Spaß gemacht. Und das Starten und Rauspaddeln war mit mehr Übung auch schnell weniger kräfteraubend. Das war eine wirklich tolle Erfahrung und ich werde mir in Zukunft auch im Seekajak in Wellen mehr zutrauen als bisher und mich sicherer fühlen. Gezeigt wie es geht, hat mir Thomas Schlotter, der Paddelcoach der Jugendbildungsstätte Juist (Jubi Juist), der sich an zwei Tagen ganz spontan Zeit für mich genommen hat und mit mir aufs Wasser gegangen ist.

Brandungssurfen JuistBis dienstags wusste ich noch nicht, dass ich sonntags schon bei der Jubi Juist in der ersten Herbstferienwoche Urlaub machen würde. Da eine kleine Gruppe Zugvögel schon mal dort gewesen war und ich mich ohnehin im Brandungssurfen üben wollte, lag es nahe, auch mal dorthin zu fahren. Lars und Uli haben mir die Idee dann noch mal sehr schmackhaft gemacht und mir den Kontakt zu Thomas Schlotter vermittelt. Eine kleine Wohnung war auch noch frei und so konnte ich dank der sehr spontanen und freundlichen Aufnahme im Jubi Juist schon sonntags nach Juist aufbrechen. Meine Paddelbekleidung nebst Helm (das war eine gute Entscheidung) hatte ich mitgebracht. Boot, Paddel und Spritzdecke bekam ich gestellt. Montags ging es gleich aufs Wasser. Und dann ein paar Tage später nochmal. An den anderen Tagen habe ich die Insel erkundet und das schöne Wetter und die freie Zeit genossen. Das war eine tolle Urlaubswoche. Ich habe schon Pläne, nach der Fahrt nach Sault Brenaz und vor dem eigenen Schottland Urlaub in 2021 (falls es in 2021 trotz Corona möglich ist) so gegen Ende April nochmal zum Üben und Brandungssurfen nach Juist zu fahren. Die Jubi Juist freut sich über jeden Gast und jede Gruppe. Wenn jemand Lust hat, mitzukommen, finden wir sicher auch einen passenden Termin.

Da ich allein auf dem Wasser war, gibt es leider keine Actionfotos. Das Foto mit Paddlern habe ich daher von Matthias geborgt, der früher im Jahr dasselbe gemacht hat. Petra R.

 

Schwedische Schären zwischen Klintemåla und Arkösund 

Schwedische Schären zwischen Klintemåla und Arkösund 

Alexander hatte schon mehrfach begeistert von den Paddelurlauben mit seinen Eltern in Schweden berichtet. Sein Vater ist seit ca. 50 Jahren regelmäßig zum Paddeln in Schweden, erst mit seinem Paddelverein in Klausdorf an der Schwentine und später dann mit der Familie. Je nach Wetterlage wird kurzfristig entschieden, ob die westliche Schärenküste an der Nordsee bzw. dem Kattegat, die Schärenküste östlich oder die Ålandinseln in der Ostsee zwischen Schweden und Finnland angesteuert werden. Auf meine Nachfrage hatte ich dieses Jahr die Einladung erhalten an dem Familienurlaub teilzunehmen. Nachdem meine Hüftoperation im Dezember und die anschließende Rehabilitation erfolgreich waren und ich ab März wieder im Boot sitzen und ich auf dem Rhein trotz der Corona bedingten Einschränkungen für den Urlaub trainieren konnte, stieg meine Vorfreude auf einen dreiwöchigen Paddelurlaub in Schweden. 

Diese wurde durch die Reisebeschränkungen getrübt, da bis kurz vor der geplanten Abreise Anfang Juli nicht klar war, ob wir durch Dänemark fahren, in Schweden einreisen und vor allem nachher auch wieder zurück nach Deutschland kommen würden. Da wir beim Paddeln in den Schären lediglich bei wenigen Einkäufen und beim zweimaligen Aufenthalt auf einem Campingplatz mit der schwedischen Bevölkerung Kontakt haben würden, schätzten wir unsere Ansteckungsgefahr als gering ein. Ich hoffte folglich auf eine Möglichkeit, die Paddeltour so wie geplant realisieren zu können. Kurz vor Abreise stand fest, dass es für Schweden keine Einreisebeschränkungen gibt und wir für die Durchreise durch Dänemark lediglich eine Buchungsbestätigung für einen Campingplatz in Schweden benötigten. Die notwendige Testung nach der Rückkehr wollten wir in Kauf nehmen, hatten dann aber das Glück, dass eine Woche vor unserer Rückkehr die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes für Schweden zurückgenommen wurde und wir ohne kostenpflichtigen Test bzw. Quarantäneverpflichtung heimfahren konnten.

Am Freitag den 3.7. holte ich mit gepacktem Auto und meinem geliebten „Alcedo“ auf dem Dach gegen Mittag Alexander zu Hause ab und wir fuhren zu seinen Eltern nach Trittau in der Nähe von Hamburg. Wir beide wurden von den Eltern herzlich empfangen und ich wurde in die Planungen für die nächsten drei Wochen einbezogen, die Wettervorhersage nannte für die nächsten Tage einen kräftigen Südwind von bis zu 7 Bft. Zum Glück lag der anzusteuernde Naturcampingplatz von Blankaholm (ca. 300km südlich von Stockholm) sehr geschützt etwa 10 km im Landesinnern. Die Entscheidung für die Schären an der Ostseite von Schweden südlich von Stockholm erwies sich auch in den kommenden Tagen als goldrichtig. Mit kräftigem Rückenwind starteten wir dann am frühen Samstagmorgen mit zwei Autos, vier Personen, den Einern „Cetus“ von Matthias und „Hanseat“ von Alexander sowie dem Zweier „Pazifik“ der Eltern auf die 900 km lange Strecke zum Naturcampingplatz Blankaholm. Alexander und ich mussten in unserem Auto mit dem Kölner Kennzeichen an der dänischen Grenze tatsächlich die Buchungsbestätigung vorzeigen. Auf den 3 Brücken, auf denen wir die Ostsee überquerten, bevor wir nach Malmö in Schweden kamen, merkten wir den starken Wind und waren beim Blick auf’s Wasser mit seinen weißen Schaumkronen froh, dort nicht mit den beladenen Kajaks unterwegs zu sein.

Schweden 2020 Karte

Am späten Nachmittag erreichten wir den idyllisch gelegenen Naturcampingplatz von Blankaholm. Hier im Norden war der Wind nicht mehr so stark, aber es war nass und mit 13 Grad ungemütlich frisch. Auf dem Platz waren nur wenige Gäste und wir vier Personen erhöhten die Zuschauerzahl beim Konzert eines südafrikanischen Sängers am Abend auf der kleinen Bühne deutlich. Soweit möglich packten wir schon unsere Sachen in die Boote, die Idee war; am nächsten Morgen gegen 10 Uhr nach dem Frühstück unsere Tour mit dem Rückenwind nach Norden zu starten. Ute, Adolf und Alexander sind durch die vielen gemeinsamen Paddelurlaube ein eingespieltes Team, es sitzt jeder Handgriff und die Aufteilung des Gepäcks ist erprobt und bewährt. In die riesige vordere Luke des Pazifiks kamen die Lebensmittel (für vier Tage und vier Personen), hinten war Platz für zwei Trangia-Kocher und den sagenhaften Wasserkocher, „Kelly Kettle“ mit dem wir mit sehr wenig Holz 1,6 l Wasser zum Kochen brachten, Spiritus und weitere Lebensmittel. Kochutensilien wurden in einer Box vor den Füßen von Ute und Wassersäcke zwischen den Beinen und in unseren Booten verstaut. Alexander hatte dafür die beiden Zelte und Schlafsäcke von sich und den Eltern neben seinen Paddelsachen im Boot. Insgesamt verstauten wir in unseren Booten ca. 60 l Wasser für die vier Tage. Waschen und kochen konnten wir mit dem Ostseewasser, dessen Salzgehalt eher gering ist, aber zum Trinken und für Kaffee und Tee kalkulierten wir mindestens 3 l pro Person und Tag.

Irgendwann zwischen 6 und 7 Uhr am nächsten Morgen, waren wir ausgeschlafen. Ich nutzte nochmal die warme Dusche und sortierte meine Sachen bevor wir gemeinsam frühstückten, die Zelte mussten wir noch feucht einpacken, unsere bepackten Boote wurden diesmal noch mit den Bootswagen an den Steg gerollert. Danach wurden die Bootswagen in den Autos verstaut und diese dann auf dem Parkplatz vom Campingplatz abgestellt und tatsächlich waren wir deutlich vor 10 Uhr auf dem Wasser!

Mit einzelnen Regenschauern, unterbrochen von zwei kurzen Pausen und einer längeren Mittagspause querten wir zunächst die Bucht Gåsfjärden vor Blankaholm paddelten unter einer kleinen Brücke hindurch, dann entlang vieler Inseln bis zu einer kleinen Insel nahe Mjödö in der Nähe von Västervik. Nach 28 km hatten wir am Nachmittag einen schönen Platz zum Zelten erreicht. 

Der zweite Tag forderte uns etwas stärker, wir hatten auf dem Weg nach Norden weniger Schutz durch vorgelagerte Inseln und der Wind blies immer noch mit 4-5 Bft. aus südlicher Richtung. Bei Wellenhöhen von bis zu einem Meter, schob uns der Rückenwind immer wieder in die Wellentäler und bremste die Boote aus. Das Paddeln erforderte gerade auf den offenen Teilstücken (z.B. die Querung der Bucht von Loftahamar) unserer Etappe hohe Konzentration. Zudem galt es immer auf Felsen zu achten, die häufig nur wenige Zentimeter aus dem Wasser ragten, oder sogar knapp überspült waren. Ich war mit so vielen Eindrücken und Anforderungen beschäftig, dass ich froh war, mich nicht um die Navigation kümmern zu müssen. Adolf hatte Sportbootkarten im Maßstab von 1:50 000 in einer großen DIN 2 Kartentasche vor sich und kannte sich wirklich sehr gut aus. Dadurch blieb uns auch die sonst zwangsläufig notwendige, nachmittägliche Suche nach einem geeigneten Zeltplatz erspart.

Wir steuerten nach 26 km einen wunderschönen geschützten Platz in der Nähe von Karö an. In den Mittagspausen aßen wir Brote und am Nachmittag wurde nachdem die Zelte standen gekocht. Ute hatte einen abwechslungsreichen Speiseplan entworfen und die entsprechenden Zutaten „gebunkert“. Nachdem Essen gab es zum Tee Süßigkeiten. Das Wetter hatte sich beruhigt und wir wurden sogar von einigen Sonnenstrahlen verwöhnt. Alexander und Adolf ließen sich auch vom höchstens 14 Grad kaltem Wasser nicht abhalten und sprangen vom Felsen ins Wasser. Ich versuchte es am nächsten Morgen, kletterte aber nach ein paar Zügen schnell wieder an Land.

Schweden 2020 Zelt

Der dritte Tag war insgesamt wesentlich freundlicher und die Temperaturen überschritten in der Sonne die 15 Gradmarke. Nach 27 km landeten wir wieder auf einer traumhaften kleinen Insel mit herrlichem Blick auf die Inselwelt. Von nun an ging ich fast jeden Tag mehrmals Schwimmen, nicht so lange wie die anscheinend völlig kälteunempfindlichen Männer der Familie Köwitsch aber mit immer mehr Freude an dem wunderschönen klaren Ostseewasser.

Der vierte Tag führte uns an einer Insel mit unzähligen Kormoranen vorbei, sie hatten fast alle Bäume in Beschlag genommen. Plötzlich erhob sich aus der Kolonie ein imposanter Adler, der sich offensichtlich bei den Kormoranen „bedient“ hatte. Alex und ich zückten unsere Fotoapparate... Leider war dieser imposante Ort von einem üblen Gestank geprägt, verursacht von den Ausscheidungen der Vögel. Am Nachmittag paddelten wir nach Fyrdden einen Ort mit Seglerhafen und einem kleinen Supermarkt, hier frischten wir unsere Brot- und Gemüsevorräte auf, kauften Milch ein und füllte die Wassersäcke. Bis zum anvisierten Zeltplatz auf Strakholmen waren es nur noch wenige Kilometer und wir hatten wieder Glück, er war frei. Dies war auch schon anders erfuhr ich von Alexander, der Kiesstrand ist auch bei Sportbootfahrern ein beliebter Ankerplatz.

Schweden 2020 Fels u. Meer

Am fünften Tag paddelten wir erst im Außenbereich der Schären und danach durch eine kleine Wasserstraße weiter Richtung Norden bis I Kärrö und von dort am nächsten Tag zum nördlichsten Punkt unserer Tour Arkösund, mit seinem schon größeren Seglerhafen, einer Station der schwedischen Seenotrettung, einem Supermarkt und einem Verkaufsstand mit frischem und geräuchertem Fisch. Wir kauften eine Art geräucherter Makrele und verspeisten diesen Leckerbissen direkt am Hafen. Zurück ging es bei schönem Wetter Richtung offener Ostsee nach Süden zur Insel Låhjö. Hier teilten wir unseren Zeltplatz mit Schafen und Kühen. Am Abend spazierten wir auf die andere Seite der Insel, wo wir an einer Müllstation unseren Müll entsorgten und die gepflegte Biotoilette nutzten. Diese Stationen gibt es immer wieder auf den Inseln, sie sind in den Seekarten eingezeichnet und werden von den Sportbootfahrern und Seglern genutzt. Die Mülltonnen werden regelmäßig entleert und der Toilettencontainer in einem Biokomposter mit Sägemehl umgeschüttet. Am 7. Tag paddelten wir 29 km an den äußeren Schären entlang Richtung Süden bis nach Krågkmarö, ein wunderbarer Sonnenuntergang verzauberte uns und die Insel.

Am 8. Paddeltag machten wir wieder einen Abstecher nach Fyrudden zum Einkaufen und steuerten nach 30 Kilometern unseren schon bekannten Zeltplatz Huvudskär an. Dunkle Wolken zwangen uns ganz schnell die Zelte aufzubauen und dann bildete sich ein sagenhafter Doppelregenbogen hinter der Insel, nach einer halben Stunde hatte sich der Regen verzogen und damit leider auch das Farbspiel am Horizont. Der 9. Paddeltag führte uns mit leichtem Ostwind nach Westen. Adolf lotste uns vorbei an vielen kleinen Inseln zielsicher zur Einfahrt von einer kleinen schilfbewachsenen Durchfahrt südwestlich von Stora Askö, um dann südöstlich Richtung Ostsee nach Kårö mit der winzigen Insel L. Flatholme zu kommen. 

Schweden 2020 Lagerplatz

Von dort ging es am 10. Tag weiter, außen an Hallmare vorbei nach Loftahammar um im dortigen Supermarkt und der Bäckerei einzukaufen. Auf Hallmare gibt es auch einen Campingplatz, der sich für Touren in dieser Region anbietet. In diesem Jahr wurden coronabedingt keine Zelttouristen aufgenommen. Wir übernachteten auf einer kleinen Insel vor Skarget auf Hasselö. Am nächsten Tag den 15. Juli, „beteiligten“ wir uns an dem alljährlichen „Hasselörodden“: Mit rund 40 original restaurierten Kähnen starten Ruderer in Trachten der Jahrhundertwende morgens von der Insel Hasselö nach Västervik. Wir ließen Västervik rechts liegen und paddelten weiter nach Vistingsö, ein Felsenplatz mit Zeltmöglichkeiten im Kiefernwald. Am nächsten Tag waren wir mittags wieder in Blankaholm, nachdem wir die Zelte aufgebaut und geduscht hatten fuhren wir mit dem Auto nach Västervik zum Einkaufen.

Das Wetter war nun sommerlich warm und das „warme“ Wasser in der Bucht von Blankaholm lud nun auch mich zu einer großen Schwimmrunde ein. Ich freute mich sehr, als es am nächsten Tag bei herrlichen Bedingungen wieder Richtung Osten hinaus auf die freie Ostsee ging, wir zelteten auf Ekö. Mit Adolf lief ich nach dem Abendessen durch Gestrüpp und Blaubeersträuchern zu einem kleinen See, den wir auf der Karte entdeckt hatten. Vorbei an einer Kreuzotter fanden wir nach 500 m einen verwunschenen kleinen See mit vielen Seerosen.

Die nächsten Tage brachten uns sommerlich warme Temperaturen und weitere Ausflüge zu Inseln weit in der Ostsee. Dort entdeckten wir auf einem Felsen einen stattlichen Adler. Das glasklare Wasser lockte uns und wir gingen mehrmals täglich schwimmen. Etwas südlich von uns sahen wir den Kühlturm und die Gebäude eines Kernkraftwerkes mitten in dieser schönen Natur....

Nach einem Abstecher in die Bucht von Klimtemola paddelten wir nach 16 traumhaften Paddeltagen wieder zurück zu unseren Autos nach Blankaholm. Wir waren mittags angekommen und hatten uns mit dem Umpacken und Aufladen der Boote beeilt, so dass wir kurz nach Mitternacht wieder zurück in Trittau waren. Ich bedanke mich hier noch einmal ganz herzlich bei Ute und Adolf, für die hervorragende Versorgung, die Weitergabe der umfassenden Erfahrungen in diesem wunderschönen Paddelrevier und natürlich für die wundervollen gemeinsamen drei Wochen.

Matthias

Seekajakfahren in Zeiten der Corona-Pandemie

Seekajakfahren in Zeiten der Corona-Pandemie

In den letzten Monaten waren wir ja alle mehr oder wenig häuslich. So gut wie nichts ging mehr, auch Paddeln war nur sehr eingeschränkt möglich. Erst ab Mitte Mai traten die ersten Lockerungen ein und da hieß es natürlich für Seekajakfahrer wieder „See wir kommen!“. Wer war nicht froh, trotz zahlreicher noch bestehender Einschränkungen wieder los zu können. Fehlende Duschen, Mundschutz tragen und Voranmeldung in Restaurants waren da sicherlich nur kleinere Unannehmlichkeiten.

Darum ging es einen Tag vor Christi Himmelfahrt für Gabi, Alexandra und mich nach Fehmarn. Mein großes Familienzelt hat ja zwei Schlafkabinen und da wurde eine flugs zum Badezimmer umfunktioniert. Gab zwar am Strand auch noch eine kalte Aussendusche, aber die war doch arg herzerfrischend, wenn man keinen Trockenanzug mehr anhatte. Überhaupt, das Wetter war zwar ziemlich windstill, aber durchweg kühl. So konnten wir in den ersten zwei Tagen einmal um die nördliche und einmal um die südliche Spitze von Fehmarn paddeln. 

Samstag stand dann Sightseeing in Burg auf dem Programm, Mittags im Restaurant Matjesfilet zwischen Plexiglasscheiben und Abends die langersehnten Wellen am Strand. Gabi und Alexandra konnten endlich in den Wellen surfen, was sie auch ausgiebig taten und dabei die Kitesurferszene vor dem Strand um ein paar Farbtupfer bereicherten.

Zwei Wochen später, direkt nach Pfingsten,  fuhren Susanne und ich dann wieder Richtung Norden an die Schlei. Leider musste die geplante Dalslandtour in Mittelschweden wegen Corona ausfallen, darum ging es mit den Kajaks nach Angeln auf einen Zeltplatz etwas in der Mitte zwischen Schleimünde und Schleswig, in unmittelbarer Nähe zur Praxis des Landarztes (ja richtig, DEEER Landarzt!), in der heute ein Café ist.

Wir kamen bei warmen Frühsommerwetter an und mussten feststellen, dass wir einer aussterbenden Spezies angehören, den Zeltern. Außer wenigen, kleinen Zweipersonenzelten waren wir mit unserem Familienzelt tatsächlich die einzigen Zelter auf dem Zeltplatz. Alle anderen waren mit mehr oder weniger großen blechernen Eigenheimen angereist (inclusive SAT-Anlage und Faltgartenzaun).

Leider wurde das Wetter in den nächsten Tagen dann sehr wechselhaft (teilweise mit Schüttregen und Wind zwischen 4 und 5 bft). Wir konnten aber trotz Wind einige Ausflüge mit den Kajaks Richtung Schleswig und in die näheren Noore (d.s. die Buchten rechts und links der Schlei) machen, unterbrochen von einigen Fischbrötchenstopps. Besonders die Fischbude in Missunde verdient eine extra Erwähnung. Der Fisch war sehr gut, Fischplatte a la Hans Albers (Matjes für Canitoga!) und die beiden Inhaber waren echte Live-Comedians. Man fühlte sich richtig in eine „Flens“-Reklame versetzt. Oder in die Muppet-Show.

Um den immer noch sehr windigen Wetter ein Schnippchen zu schlagen fuhren wir am nächsten Tag ins Wikingermuseum Haithabu in Schleswig. Und natürlich zur Dorfkirche nach Hadeby, die vor über tausend Jahren vom Hl.Ansgar gegründet worden war. Das Museum war klein, aber sehr sehenswert. Die Wikinger waren mitnichten nur Rauf- und Trunkenbolde mit einem BMI über 30 wie die norwegische Comicfigur Hägar. Sie waren auch gute Diplomaten, Händler und Handwerker. Das Museum zeigte die Handelsrouten entlang von Ost- und Ladogasee nach Russland und entlang der englischen Küste (zugegeben, da haben sie auch ein bisschen geplündert und gebrandschatzt). Zum Abschluss ging es dann in Odins Biergarten. Offensichtlich war das Catering-Konzept in Walhalla so erfolgreich, dass man die Franchiserechte auch nach Midgard (die Erde) verkauft hatte. Zumindest die Preise waren eines Asen würdig. Der Käsekuchen allerdings auch. Außerdem vertraute uns eine der Walküren an, die dort kellnerte, dass es bezüglich des Wetters eine Absprache mit Odins Sohn Thor gab. Das Gewitter, dass über Schleswig drohte, blieb jedenfalls brav auf der anderen Seite der Schlei.

Die nächsten Tage zeigte sich das Wetter dann wieder von seiner besseren Seite. Wir konnten in die andere Richtung auf der Schlei bis zur Schleimündung und der Lotseninsel fahren. Auf der anderen Seite hatten wir den Blick frei zur architektonisch geschmackvollen Ferienanlage Damp2000. Sie fällt an der Küste kaum auf und fügt sich unauffällig in die Landschaft ein.

Am letzten Abend (genauer gesagt in der letzten Nacht) wartete dann noch ein abschließendes Abenteuer auf uns. An den nächtlichen Baulärm hatten wir uns ja mittlerweile gewöhnt (die Schleibrücke wurde gerade repariert). Aber in dieser Nacht gab es auf einmal ungewohntes Geraschel am Zelt. Natürlich war es die Aufgabe des Mannes, die andere Zeltinsassin zu beschützen. Es war dann aber kein wildes Untier (Wölfe und Bären sind an der Schlei schon länger ausgerottet), sondern ein harmloser Igel, der es sich in unserer Butterdose gemütlich gemacht hatte. Ich konnte ihn auch nicht dazu bewegen, seinen Standort im Interesse einer weiteren ungestörten Nachtruhe zu wechseln. Er tat das, was Igel so zu tun pflegen. Er igelte sich ein. Am nächsten Morgen war der Igel dann verschwunden, wahrscheinlich dick und rund von unserer Butter. Hoffentlich ist sie ihm bekommen, habe bei Tante WIKI gelesen, dass Igel laktoseintolerant seien. Die restliche Butter haben wir dann weggeworfen

Text: Ansgar B.

 

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Schlei statt Schottland – Ostsee statt Atlantik

Schlei statt Schottland – Ostsee statt Atlantik

Von Schleswig nach Flensburg (120 km)

Auch wir mussten unseren ursprünglich geplanten Paddelurlaub in Schottland wegen der Corona-Pandemie absagen. Die für dieses Jahr dort geplanten Touren zu den Northern Isles, geplant von unseren schottischen Paddelfreunden vom MDCC, und die Umrundung der kleinen, inneren Hebrideninsel Canna hoffen wir im nächsten Jahr nachholen zu können.

Auf der Suche nach einer Alternative hatte uns Matthias‘ Tipp, von Schleswig nach Flensburg zu paddeln, überzeugt. Denn wir hatten eine Woche Zeit für eine Tour, wollten gerne an die Küste und in Schleswig Holstein hatten die Campingplätze ab dem 25.05.2020 wieder geöffnet.

Bei unserer Ankunft in Schleswig bekamen wir einen Platz auf dem direkt an der Schlei gelegenen Campingplatz Haithabu. Am ersten Tag (25.05.) haben wir uns Schleswig angesehen und das schöne Wetter im Café auf dem Marktplatz, im Schlosspark und an der Schlei genossen.

Am nächsten Tag (26.05.) haben wir unsere Tour auf der Schlei begonnen. Einsetzen konnten wir direkt von einem kleinen Strand am Campingplatz. Die Schlei ist 42 km lang und unsere erste Etappe führte uns bis zum Campingplatz Lindaunis (21 km). Bei Sonnenschein und Windstille war die Querung der Großen Breite schnell geschafft. Auf dieser Etappe ist die Schlei mit ihren schilfbestandenen Ufern, kleinen Häfen und Segelbooten sehr idyllisch. So ist auch der Campingplatz Lindaunis gelegen. Wir wussten, dass wir in der Woche bedingt durch die allgemeinen Einschränkungen auf den Campingplätzen keine Duschen würden benutzen können. Es hat uns nicht gestört, es gab ja genügend Wasser um uns herum für ein erfrischendes Bad. Trotzdem haben wir uns über die abschließbaren Waschkabinen auf dem Campingplatz Lindaunis gefreut. Morgens gab es auf Bestellung sogar frische Brötchen.

Auch auf unserer zweiten Etappe (27.05.) nach Schleimünde  (21 km) hatten wir viel Sonne und sehr wenig Wind. Rast machten wir in Deutschlands kleinstem Städtchen Arnis. Die beste Anlandestelle schien nach näherem Hinsehen privat zu sein. Es war vom Wasser aus nicht genau erkennbar, welcher Teil des Ufers zum Hafen gehört und welcher Teil Privatgrundstück ist. Wir beschlossen, trotzdem anzulanden, uns nicht groß auszubreiten und nach kurzer Essenspause und Besichtigung der sehr sehenswerten Schiffskirche gleich in Ufernähe zügig weiter zu paddeln. Die Etappe war sehr abwechslungsreich, ruhige Abschnitte mit schöner Natur wechseln sich ab mit interessanten Brücken und Durchfahrten durch kleinere Städtchen und Orte mit hübschen Uferpromenaden.

Auf dem letzten Stück von Kappeln bis zum Seglerhafen Schleimünde waren viele Segelschiffe unterwegs. Wir sind – immer orientiert an den grünen Tonnen – gemütlich seitlich am Fahrwasser vorbei gefahren. Angekommen im Seglerhafen Schleimünde schlugen wir nach der Anmeldung beim Hafenmeister unser Zelt auf der Lotseninsel auf. Außer uns waren schon zwei Paddler da – ein älterer Herr aus Schleswig, für den die Schlei sozusagen die Hausstrecke ist. Der andere Paddler war in umgekehrter Richtung unterwegs, also in Flensburg gestartet und auf dem Weg nach Schleswig. Leider war die Giftbude, die als Restaurant einen guten Ruf genießt, geschlossen. Das wussten wir aber vorher. Wir kochten selbst was Schönes und genossen einen etwas windigen, aber trockenen Abend mit schönem Sonnenuntergang.

Unsere dritte Etappe (28.05.) von Schleimünde nach Falshöft war recht kurz (13 km). Da wir die zur Verfügung stehende Urlaubszeit auch ausnutzen wollten, hatten wir uns entschlossen, kürzere Etappen zu paddeln und die restlichen Stunden des Tages die freie Zeit an der Ostsee zu genießen. Denn bei einem früheren Ende der Tour hätten wir keine feste Unterkunft für das Pfingstwochenende mehr bekommen. Als Paddler standen die Chancen, irgendwo unterzukommen, besser und so waren wir auch in dieser Hinsicht auf dem Wasser besser aufgehoben.

Morgens blies uns allerdings ein 3er/4er Wind ins Gesicht, so dass wir etwas langsamer vorankamen als an den Tagen zuvor. Die Ausfahrt von der Schlei in die Ostsee war aber unproblematisch. Das kann wohl auch anders sein. Flensburger Paddler haben uns erzählt, dass es bei entsprechenden Wellen und Dünung durchaus passieren kann, dass man in Schleimünde mit dem Kajak nicht von der Ostsee in die Schlei bzw. in die umgekehrte Richtung paddeln kann und dann umtragen werden muss. Das blieb uns glücklicherweise erspart.

Da wir wussten, dass der Wind ab Mittag abnehmen sollte und wir nur eine kurze Strecke vor uns hatten, ließen wir uns Zeit beim Frühstück. Nachdem der Wind nach einer Stunde auf dem Wasser wieder deutlich abflaute, konnten wir erneut bei strahlendem Sonnenschein und wenig Wind über die klare Ostsee paddeln. Auf der Etappe von Schleimünde nach Falshöft ist das Ufer überall flach und besteht fast ausschließlich aus weißem Sandstrand. Der lud uns zu einer Teepause ein. Den Campingplatz in Falshöft erkennt man an dem ehemaligen Leuchtturm. Die Zeltwiese für Paddler liegt direkt oberhalb des Strandes, also quasi direkt am Wasser. Die Ostsee war zwar mit 16 Grad noch was kühl, aber nach drei Paddeltagen war nun „Badetag“ und es musste zumindest ein kurzes Bad in der Ostsee sein. In dem kleinen Campingladen gab es neben vielen anderen Sachen kühle Getränke und Eis. Gut gekocht und mit kühlem Bier und Blick auf die Ostsee ließ sich der Abend genießen.

Unsere nächste Etappe (29.05.) führte um das NSG Geltinger Birk herum, das sich zum Schutz der dort rastenden und brütenden Vögel bis auf das Wasser erstreckt, bis hinter Wackerballig zum Schlafplatz Wildes Schleswig-Holstein (15 km). Das Wetter verwöhnte uns weiter. Bei strahlendem Sonnenschein und gefühlt gar keinem Wind paddelten wir mit dem geforderten Abstand um das NSG Geltinger Birk herum. Die Sonne schien an dem Tag so stark, dass ich mir trotz Sonnencreme mit LSF 50 die Handrücken verbrannt habe. Außer einigen Segelbooten in der Ferne war außer uns niemand auf dem Wasser. Die Ruhe war wohltuend und die geschützte Landzunge mit den vielen Vögeln verbreitete eine Atmosphäre unberührter Natur. Zum ersten Mal konnten wir Schwäne dabei beobachten, wie sie nur wenige Meter entfernt mit geräuschvollen Flügelschlägen an uns vorbeiflogen. Das war ein sehr anmutiger Anblick. Ich bin seitdem ein Schwan-Fan.

Unterwegs in der Geltinger Bucht haben wir noch ein herrenloses kleines Schlauchboot gefunden, das Taucher nutzen. Iain nahm es kurzerhand in den Schlepptau. So hatte er ein Extratraining und ich war mal schneller als er. Da wir recht früh am Campingplatz in Wackerballig ankamen und dort noch (sehr lange) Mittagsruhe war, entschlossen wir uns, weiter zu paddeln und den von dort etwa 1 km entfernten Schlafplatz Wildes Schleswig-Holstein ausfindig zu machen und anzusehen. Einer der Paddler, den wir auf der Lotseninsel getroffen hatten, hatte mir davon erzählt. Mithilfe von Google Maps haben wir ihn schließlich gefunden, waren aber zunächst etwas skeptisch, weil wir an einem steilen Ufer anlanden, die Boote entladen und dann das steinige Ufer hoch tragen mussten. Der Schlafplatz ist eher für Radfahrer und Wanderer gemacht und befindet sich 50 m vom Deich entfernt unter einem Baum auf einer Wiese. Die Entscheidung, dort zu bleiben, war trotz der Schlepperei des Materials am Ende eine gute Entscheidung. Wir hatten einen ruhigen Abend in der Natur und konnten am Abend vom Deich weit über die Förde blicken.

Am Abend haben wir dann noch die auf dem kleinen Schlauchboot angegebene Telefonnummer angerufen und den Besitzer erreicht. Zum Glück verbarg sich hinter dem Verlust keine traurige Geschichte, sondern es hatte sich bei einem Tauchgang einfach nur los gemacht. Wir versprachen ihm, es nach unserer Rückkehr von Köln aus nach Dänemark zu schicken. Denn wegen der Corona-Pandemie konnte er nicht nach Deutschland und wir nicht nach Dänemark fahren, obwohl es von Flensburg aus nur eine kurze Strecke bis zu ihm gewesen wäre.

Am nächsten Tag (30.05.) paddelten wir bis zum Ostsee Campingplatz Glücksburg Holnis (25 km). Wieder schien die Sonne und der Wind war anderswo. In der Flensburger Förde waren unglaublich viele Segler unterwegs. Wir haben noch nie so viele Segelboote auf einmal gesehen. Sie waren denn auch das einzige, worauf man ein bisschen achten musste. Auch an dem Tag flog wieder ein Schwan ganz nah an uns vorbei. Wir erreichten den Campingplatz wie gewohnt früh, mussten aber am Ende dann doch ein bisschen suchen, weil in der ganzen Bucht mit Badestrand und allem Drum und Dran viel los und nicht ganz klar war, wo genau der Campingplatz ist. Der kleine Campingplatz, den wir uns vorgestellt hatten, entpuppte sich schließlich als große Campinganlage. Leider mussten wir die voll beladenen Boote erst einmal über den Sandstrand tragen. Aber immerhin bekamen wir einen Zeltplatz, ein kühles Flensburger, abends ausnahmsweise mal einen Platz im Restaurant und am nächsten Tag sogar eine „süße Tüte“ mit frischen Croissants und Brötchen.

Da schon früh ein 3er Wind wehte und ein 4er Wind vorhergesagt war, starteten wir am nächsten Tag (31.05.) früh um 8 Uhr, um noch bei 3er Wind um die Spitze der Halbinsel Holnis herum zu paddeln. Fast um die gesamte Halbinsel Holnis herum erstreckt sich laut Karte erneut ein Naturschutzgebiet bis aufs Wasser und wir mussten mit ausreichendem Abstand um die Halbinsel herumpaddeln. Später erfuhren wir von Paddlern des 1. Flensburger Kanu-Clubs, dass sich Ihrer Meinung nach das Naturschutzgebiet nur von der Spitze aus entlang des westlichen Ufers der Halbinsel auch auf das Wasser erstreckt. Diese Auskunft deckt sich mit unserer Beobachtung vor Ort, denn Spaziergänger und Radfahrer hielten sich an der Spitze der Halbinsel am Strand auf und hatten sogar Klapptisch und -stuhl für ein Picknick dabei. Die Flensburger Paddler sollten es wissen und beim nächsten Mal werden wir daher dort an diesem schönen Strand sicher unsere Frühstückspause machen.

Wegen des Einreiseverbots konnten wir leider nicht auf die dänische Seite rüber paddeln. Sonst wären wir zu den Ochseninseln gepaddelt, die sehr schön sein sollen. Dort hätte man auch wild zelten dürfen. So blieben wir auf der deutschen Seite. Bis zum Gelände des 1. Flensburger Kanu-Clubs (1. FKC) gibt es auf der deutschen Seite der Förde keine Zeitmöglichkeit. Das Gelände des 1. FKC befindet sich hinter dem Yachthafen Fahrensodde und grenzt direkt an einen kleinen Strand. Durch ein kleines grünes Törchen gelangt man vom Strand auf das Gelände. Wir wurden sehr herzlich empfangen. Obwohl wir uns nicht angemeldet und erst vor Ort angerufen haben, war Dieter vom 1.FKC trotz eigener privater Termine in 10 Minuten da, hat uns herein gelassen und uns an den Bootshauswart „übergeben“. Wir haben auf dem schönen Gelände direkt am Wasser, das viel Platz für Zelte und sogar für Wohnwagen bietet, in guter Gesellschaft und mit Blick auf die Förde einen sehr schönen letzten Abend unserer Ostseetour verbracht.

Wir hatten wirklich Glück, dass wir trotz der Corona-Pandemie einen so schönen und für uns ganz unbeschwerten Paddelurlaub machen konnten.

Für das Nachholen des Autos benötigt man einen halben Tag. In der Nähe des 1.FKC ist eine Bushaltestelle. Aufgrund des Feiertags und der allgemeinen Einschränkungen sind wir kurzerhand eine Stunde zu Fuß zum Flensburger Bahnhof gegangen. So haben wir nebenbei auch noch den historischen Hafen in Flensburg gesehen. Mit dem Zug in Schleswig angekommen, ist es etwa eine halbe Stunde zu Fuß bis zum Campingplatz Haithabu. Es führt ein schöner Spazierweg die Schlei entlang.

Etappen:

1. Tag: Schleswig – Campingplatz Lindaunis (21 km), Einstieg Campingplatz Haithabu

2. Tag: Campingplatz Lindaunis – Seglerhafen Schleimünde (21 km), Zelten auf der Lotseninsel

3. Tag: Seglerhafen Schleimünde – Campingplatz Falshöft (zu erkennen am ehemaligen Leuchtturm ,13 km)

4. Tag: Campingplatz Falshöft – Schlafplatz Wildes Schleswig-Holstein, etwa 0,5 km hinter dem Yachthafen Gelting (kein optimaler Ein-/Ausstieg, da steiles Ufer, 15 km)

5. Tag: Schlafplatz Wildes Schleswig-Holstein – Ostseecamp Glücksburg Holnis ( 25 km)

6. Tag: Ostseecamp Glücksburg Holnis – 1. Flensburger Kanu-Club (16 km)

Die Tour ist auch in dem Buch „Dänische Südsee/Deutsche Ostsee“ aus der Reihe Kanu Kompass beschrieben. Je nach Ausdauer und Wetter lässt sich die Tour unserer Meinung nach in 4-6 Tagen paddeln. Vom 1. Flensburger Kanu-Club aus lassen sich Touren in der Förde und auch auf die dänische Seite, z.B. zu den Ochseninseln paddeln. Das Gelände bietet viel Platz für Zelte und auch Wohnwagen.

Text und Bilder: Petra

 

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