Schlei statt Schottland – Ostsee statt Atlantik

Schlei statt Schottland – Ostsee statt Atlantik

Von Schleswig nach Flensburg (120 km)

Auch wir mussten unseren ursprünglich geplanten Paddelurlaub in Schottland wegen der Corona-Pandemie absagen. Die für dieses Jahr dort geplanten Touren zu den Northern Isles, geplant von unseren schottischen Paddelfreunden vom MDCC, und die Umrundung der kleinen, inneren Hebrideninsel Canna hoffen wir im nächsten Jahr nachholen zu können.

Auf der Suche nach einer Alternative hatte uns Matthias‘ Tipp, von Schleswig nach Flensburg zu paddeln, überzeugt. Denn wir hatten eine Woche Zeit für eine Tour, wollten gerne an die Küste und in Schleswig Holstein hatten die Campingplätze ab dem 25.05.2020 wieder geöffnet.

Bei unserer Ankunft in Schleswig bekamen wir einen Platz auf dem direkt an der Schlei gelegenen Campingplatz Haithabu. Am ersten Tag (25.05.) haben wir uns Schleswig angesehen und das schöne Wetter im Café auf dem Marktplatz, im Schlosspark und an der Schlei genossen.

Am nächsten Tag (26.05.) haben wir unsere Tour auf der Schlei begonnen. Einsetzen konnten wir direkt von einem kleinen Strand am Campingplatz. Die Schlei ist 42 km lang und unsere erste Etappe führte uns bis zum Campingplatz Lindaunis (21 km). Bei Sonnenschein und Windstille war die Querung der Großen Breite schnell geschafft. Auf dieser Etappe ist die Schlei mit ihren schilfbestandenen Ufern, kleinen Häfen und Segelbooten sehr idyllisch. So ist auch der Campingplatz Lindaunis gelegen. Wir wussten, dass wir in der Woche bedingt durch die allgemeinen Einschränkungen auf den Campingplätzen keine Duschen würden benutzen können. Es hat uns nicht gestört, es gab ja genügend Wasser um uns herum für ein erfrischendes Bad. Trotzdem haben wir uns über die abschließbaren Waschkabinen auf dem Campingplatz Lindaunis gefreut. Morgens gab es auf Bestellung sogar frische Brötchen.

Auch auf unserer zweiten Etappe (27.05.) nach Schleimünde  (21 km) hatten wir viel Sonne und sehr wenig Wind. Rast machten wir in Deutschlands kleinstem Städtchen Arnis. Die beste Anlandestelle schien nach näherem Hinsehen privat zu sein. Es war vom Wasser aus nicht genau erkennbar, welcher Teil des Ufers zum Hafen gehört und welcher Teil Privatgrundstück ist. Wir beschlossen, trotzdem anzulanden, uns nicht groß auszubreiten und nach kurzer Essenspause und Besichtigung der sehr sehenswerten Schiffskirche gleich in Ufernähe zügig weiter zu paddeln. Die Etappe war sehr abwechslungsreich, ruhige Abschnitte mit schöner Natur wechseln sich ab mit interessanten Brücken und Durchfahrten durch kleinere Städtchen und Orte mit hübschen Uferpromenaden.

Auf dem letzten Stück von Kappeln bis zum Seglerhafen Schleimünde waren viele Segelschiffe unterwegs. Wir sind – immer orientiert an den grünen Tonnen – gemütlich seitlich am Fahrwasser vorbei gefahren. Angekommen im Seglerhafen Schleimünde schlugen wir nach der Anmeldung beim Hafenmeister unser Zelt auf der Lotseninsel auf. Außer uns waren schon zwei Paddler da – ein älterer Herr aus Schleswig, für den die Schlei sozusagen die Hausstrecke ist. Der andere Paddler war in umgekehrter Richtung unterwegs, also in Flensburg gestartet und auf dem Weg nach Schleswig. Leider war die Giftbude, die als Restaurant einen guten Ruf genießt, geschlossen. Das wussten wir aber vorher. Wir kochten selbst was Schönes und genossen einen etwas windigen, aber trockenen Abend mit schönem Sonnenuntergang.

Unsere dritte Etappe (28.05.) von Schleimünde nach Falshöft war recht kurz (13 km). Da wir die zur Verfügung stehende Urlaubszeit auch ausnutzen wollten, hatten wir uns entschlossen, kürzere Etappen zu paddeln und die restlichen Stunden des Tages die freie Zeit an der Ostsee zu genießen. Denn bei einem früheren Ende der Tour hätten wir keine feste Unterkunft für das Pfingstwochenende mehr bekommen. Als Paddler standen die Chancen, irgendwo unterzukommen, besser und so waren wir auch in dieser Hinsicht auf dem Wasser besser aufgehoben.

Morgens blies uns allerdings ein 3er/4er Wind ins Gesicht, so dass wir etwas langsamer vorankamen als an den Tagen zuvor. Die Ausfahrt von der Schlei in die Ostsee war aber unproblematisch. Das kann wohl auch anders sein. Flensburger Paddler haben uns erzählt, dass es bei entsprechenden Wellen und Dünung durchaus passieren kann, dass man in Schleimünde mit dem Kajak nicht von der Ostsee in die Schlei bzw. in die umgekehrte Richtung paddeln kann und dann umtragen werden muss. Das blieb uns glücklicherweise erspart.

Da wir wussten, dass der Wind ab Mittag abnehmen sollte und wir nur eine kurze Strecke vor uns hatten, ließen wir uns Zeit beim Frühstück. Nachdem der Wind nach einer Stunde auf dem Wasser wieder deutlich abflaute, konnten wir erneut bei strahlendem Sonnenschein und wenig Wind über die klare Ostsee paddeln. Auf der Etappe von Schleimünde nach Falshöft ist das Ufer überall flach und besteht fast ausschließlich aus weißem Sandstrand. Der lud uns zu einer Teepause ein. Den Campingplatz in Falshöft erkennt man an dem ehemaligen Leuchtturm. Die Zeltwiese für Paddler liegt direkt oberhalb des Strandes, also quasi direkt am Wasser. Die Ostsee war zwar mit 16 Grad noch was kühl, aber nach drei Paddeltagen war nun „Badetag“ und es musste zumindest ein kurzes Bad in der Ostsee sein. In dem kleinen Campingladen gab es neben vielen anderen Sachen kühle Getränke und Eis. Gut gekocht und mit kühlem Bier und Blick auf die Ostsee ließ sich der Abend genießen.

Unsere nächste Etappe (29.05.) führte um das NSG Geltinger Birk herum, das sich zum Schutz der dort rastenden und brütenden Vögel bis auf das Wasser erstreckt, bis hinter Wackerballig zum Schlafplatz Wildes Schleswig-Holstein (15 km). Das Wetter verwöhnte uns weiter. Bei strahlendem Sonnenschein und gefühlt gar keinem Wind paddelten wir mit dem geforderten Abstand um das NSG Geltinger Birk herum. Die Sonne schien an dem Tag so stark, dass ich mir trotz Sonnencreme mit LSF 50 die Handrücken verbrannt habe. Außer einigen Segelbooten in der Ferne war außer uns niemand auf dem Wasser. Die Ruhe war wohltuend und die geschützte Landzunge mit den vielen Vögeln verbreitete eine Atmosphäre unberührter Natur. Zum ersten Mal konnten wir Schwäne dabei beobachten, wie sie nur wenige Meter entfernt mit geräuschvollen Flügelschlägen an uns vorbeiflogen. Das war ein sehr anmutiger Anblick. Ich bin seitdem ein Schwan-Fan.

Unterwegs in der Geltinger Bucht haben wir noch ein herrenloses kleines Schlauchboot gefunden, das Taucher nutzen. Iain nahm es kurzerhand in den Schlepptau. So hatte er ein Extratraining und ich war mal schneller als er. Da wir recht früh am Campingplatz in Wackerballig ankamen und dort noch (sehr lange) Mittagsruhe war, entschlossen wir uns, weiter zu paddeln und den von dort etwa 1 km entfernten Schlafplatz Wildes Schleswig-Holstein ausfindig zu machen und anzusehen. Einer der Paddler, den wir auf der Lotseninsel getroffen hatten, hatte mir davon erzählt. Mithilfe von Google Maps haben wir ihn schließlich gefunden, waren aber zunächst etwas skeptisch, weil wir an einem steilen Ufer anlanden, die Boote entladen und dann das steinige Ufer hoch tragen mussten. Der Schlafplatz ist eher für Radfahrer und Wanderer gemacht und befindet sich 50 m vom Deich entfernt unter einem Baum auf einer Wiese. Die Entscheidung, dort zu bleiben, war trotz der Schlepperei des Materials am Ende eine gute Entscheidung. Wir hatten einen ruhigen Abend in der Natur und konnten am Abend vom Deich weit über die Förde blicken.

Am Abend haben wir dann noch die auf dem kleinen Schlauchboot angegebene Telefonnummer angerufen und den Besitzer erreicht. Zum Glück verbarg sich hinter dem Verlust keine traurige Geschichte, sondern es hatte sich bei einem Tauchgang einfach nur los gemacht. Wir versprachen ihm, es nach unserer Rückkehr von Köln aus nach Dänemark zu schicken. Denn wegen der Corona-Pandemie konnte er nicht nach Deutschland und wir nicht nach Dänemark fahren, obwohl es von Flensburg aus nur eine kurze Strecke bis zu ihm gewesen wäre.

Am nächsten Tag (30.05.) paddelten wir bis zum Ostsee Campingplatz Glücksburg Holnis (25 km). Wieder schien die Sonne und der Wind war anderswo. In der Flensburger Förde waren unglaublich viele Segler unterwegs. Wir haben noch nie so viele Segelboote auf einmal gesehen. Sie waren denn auch das einzige, worauf man ein bisschen achten musste. Auch an dem Tag flog wieder ein Schwan ganz nah an uns vorbei. Wir erreichten den Campingplatz wie gewohnt früh, mussten aber am Ende dann doch ein bisschen suchen, weil in der ganzen Bucht mit Badestrand und allem Drum und Dran viel los und nicht ganz klar war, wo genau der Campingplatz ist. Der kleine Campingplatz, den wir uns vorgestellt hatten, entpuppte sich schließlich als große Campinganlage. Leider mussten wir die voll beladenen Boote erst einmal über den Sandstrand tragen. Aber immerhin bekamen wir einen Zeltplatz, ein kühles Flensburger, abends ausnahmsweise mal einen Platz im Restaurant und am nächsten Tag sogar eine „süße Tüte“ mit frischen Croissants und Brötchen.

Da schon früh ein 3er Wind wehte und ein 4er Wind vorhergesagt war, starteten wir am nächsten Tag (31.05.) früh um 8 Uhr, um noch bei 3er Wind um die Spitze der Halbinsel Holnis herum zu paddeln. Fast um die gesamte Halbinsel Holnis herum erstreckt sich laut Karte erneut ein Naturschutzgebiet bis aufs Wasser und wir mussten mit ausreichendem Abstand um die Halbinsel herumpaddeln. Später erfuhren wir von Paddlern des 1. Flensburger Kanu-Clubs, dass sich Ihrer Meinung nach das Naturschutzgebiet nur von der Spitze aus entlang des westlichen Ufers der Halbinsel auch auf das Wasser erstreckt. Diese Auskunft deckt sich mit unserer Beobachtung vor Ort, denn Spaziergänger und Radfahrer hielten sich an der Spitze der Halbinsel am Strand auf und hatten sogar Klapptisch und -stuhl für ein Picknick dabei. Die Flensburger Paddler sollten es wissen und beim nächsten Mal werden wir daher dort an diesem schönen Strand sicher unsere Frühstückspause machen.

Wegen des Einreiseverbots konnten wir leider nicht auf die dänische Seite rüber paddeln. Sonst wären wir zu den Ochseninseln gepaddelt, die sehr schön sein sollen. Dort hätte man auch wild zelten dürfen. So blieben wir auf der deutschen Seite. Bis zum Gelände des 1. Flensburger Kanu-Clubs (1. FKC) gibt es auf der deutschen Seite der Förde keine Zeitmöglichkeit. Das Gelände des 1. FKC befindet sich hinter dem Yachthafen Fahrensodde und grenzt direkt an einen kleinen Strand. Durch ein kleines grünes Törchen gelangt man vom Strand auf das Gelände. Wir wurden sehr herzlich empfangen. Obwohl wir uns nicht angemeldet und erst vor Ort angerufen haben, war Dieter vom 1.FKC trotz eigener privater Termine in 10 Minuten da, hat uns herein gelassen und uns an den Bootshauswart „übergeben“. Wir haben auf dem schönen Gelände direkt am Wasser, das viel Platz für Zelte und sogar für Wohnwagen bietet, in guter Gesellschaft und mit Blick auf die Förde einen sehr schönen letzten Abend unserer Ostseetour verbracht.

Wir hatten wirklich Glück, dass wir trotz der Corona-Pandemie einen so schönen und für uns ganz unbeschwerten Paddelurlaub machen konnten.

Für das Nachholen des Autos benötigt man einen halben Tag. In der Nähe des 1.FKC ist eine Bushaltestelle. Aufgrund des Feiertags und der allgemeinen Einschränkungen sind wir kurzerhand eine Stunde zu Fuß zum Flensburger Bahnhof gegangen. So haben wir nebenbei auch noch den historischen Hafen in Flensburg gesehen. Mit dem Zug in Schleswig angekommen, ist es etwa eine halbe Stunde zu Fuß bis zum Campingplatz Haithabu. Es führt ein schöner Spazierweg die Schlei entlang.

Etappen:

1. Tag: Schleswig – Campingplatz Lindaunis (21 km), Einstieg Campingplatz Haithabu

2. Tag: Campingplatz Lindaunis – Seglerhafen Schleimünde (21 km), Zelten auf der Lotseninsel

3. Tag: Seglerhafen Schleimünde – Campingplatz Falshöft (zu erkennen am ehemaligen Leuchtturm ,13 km)

4. Tag: Campingplatz Falshöft – Schlafplatz Wildes Schleswig-Holstein, etwa 0,5 km hinter dem Yachthafen Gelting (kein optimaler Ein-/Ausstieg, da steiles Ufer, 15 km)

5. Tag: Schlafplatz Wildes Schleswig-Holstein – Ostseecamp Glücksburg Holnis ( 25 km)

6. Tag: Ostseecamp Glücksburg Holnis – 1. Flensburger Kanu-Club (16 km)

Die Tour ist auch in dem Buch „Dänische Südsee/Deutsche Ostsee“ aus der Reihe Kanu Kompass beschrieben. Je nach Ausdauer und Wetter lässt sich die Tour unserer Meinung nach in 4-6 Tagen paddeln. Vom 1. Flensburger Kanu-Club aus lassen sich Touren in der Förde und auch auf die dänische Seite, z.B. zu den Ochseninseln paddeln. Das Gelände bietet viel Platz für Zelte und auch Wohnwagen.

Text und Bilder: Petra

 

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