1000 Kilometer durch die Taiga


Es gibt Träume, die immer Träume bleiben. Aber glücklicherweise gibt es auch solche, die wahr werden. Einer unserer Träume wurde im Sommer 2006 wahr. Sibirien! Da müsste man mal hin! Aber wie?

Doch dann erfuhren wir, dass in Euskirchen ein Russland-Deutscher lebt, der Paddeltouren im sibirischen Jakutien organisiert und führt.

Jakutien, Teilrepublik innerhalb der russischen Föderation ist mit über 3 Mio. Quadratkilometern etwa achtmal so groß wie Deutschland und hat nur 400.000 Einwohner. Das entspricht einer Bevölkerungsdichte von 0,13 Einwohnern pro Quadratkilometer. Das verspricht Einsamkeit und Wildnis. Das Land ist fast komplett von nordischem Nadelwald bedeckt. Diese Landschaftsform wird Taiga genannt. Unter den mehr als 7.000 Flüssen mit etwa 1,4 Mio. Fluss-Kilometern müsste doch auch etwas Attraktives für uns sein. Also meldeten wir uns bei Walter, dem Organisator an. Er versprach uns zwei Prijon Yukon E. Neugierig geworden, hörten wir uns bei Kameraden um, die schon mal an Walters Taiga-Touren teilnahmen oder Leute kannten, die schon einmal daran teilgenommen hatten. Wir hörten Interessantes. Zum Beispiel, dass Walter immer auch ihm unbekannte Gewässer für seine Touren auswählt. Das führte schon mehrfach zu mittleren Katastrophen. So verlor eine Gruppe durch Kenterung im unerwarteten Wildwasser Teile der Küchengeräte und des Proviants. Dummerweise gab es in dem betreffenden Fluss keine Fische, die als Proviantergänzung fest eingeplant waren. Nun, bisher kehrten alle Teilnehmer wieder nach Deutschland zurück, allerdings zum Teil bis zu elf Kilo leichter als vor Reiseabtritt. Aber das schreckte uns nicht ab. Auch nicht, dass man neben dem Visum für Russland auch noch eine „Aids-Frei-Bescheinigung“ für Jakutien vorlegen muss. Vielleicht, damit man nicht die Rentiere infiziert oder die Bären, falls die einen fressen sollten. Denn dieses Viehzeug gibt es dort außer Wölfen, Elchen und Vielfraßen. Beruhigend war die Erkenntnis, dass es in Nordsibirien keine Giftschlangen gibt.

Selbst im Sommer ist der Boden ab 30 cm unter der Oberfläche permafrost-gefroren. Aber wir würden ja im Spätsommer, Anfang August bis Anfang September in der Taiga sein. Dann sind Tagestemperaturen von bis zu 30 Grad möglich. Um das vorwegzunehmen: wir hatten mit dem Wetter Glück. Regen gab’s selten, dafür einige knallheiße Tage. Meistens war das Wetter durchwachsen mit zeitweise heftigem Wind. Es wurde von Tag zu Tag kälter, denn im August beginnt in der Taiga schon der Herbst. Nachtfrost erlebten wir nur einmal. 

4. August 2006: Am Flughafen Frankfurt treffen sich die zehn Fahrtenteilnehmer mit Walter und einem befreundeten Russland-Deutschen namens Juri. Nach dreistündigem angenehmen Flug mit einer Aeroflot-Maschine landen wir in den frühen Morgenstunden des 5. Augusts auf dem internationalen Flughafen Scheremetjewo in Moskau. Erster Eindruck: nicht so exotisch wie erwartet. Zwar sind die vielen Ansagen auf Russisch und Hinweisschilder in kyrillischer Schrift für uns unverständlich, doch die Schilder haben zusätzlich Untertitel in Englisch. Erstaunlich ist die Flut von Werbetafeln westlicher Firmen in lateinischer Schrift. Ein Kleinbus fährt uns durch die Zehn-Millionen-Stadt zum Inlandsflughafen Vnukowo, von wo aus unser Weiterflug nach Sibirien losgehen soll. Die Busfahrt dauert fast eine Stunde. Unterwegs sehen wir den Verkehr einer pulsierenden Metropole, die sich von den uns bekannten in der westlichen Welt kaum unterscheidet. Acht Stunden Aufenthalt bis zum Weiterflug nach Mirnyi (Jakutien). Wir fahren mit der Metro ins Zentrum, zum Roten Platz. „Un et räänte wie es Bies“! Geplant war Frühstück bei McDonalds. Aber da war es proppenvoll. Und das in Moskau! Lenin, Stalin u. a. würden sich im Grabe umdrehen. Beim benachbarten Japaner war Platz für uns. Regen oder nicht – wir besichtigten das Herz der russischen Metropole: Roter Platz, Kreml mit Lenin-Mausoleum und einige Basiliken. Bemerkenswert war die große Zahl von Brautpaaren, die sich trotz heftigem Regen vor der Kreml-Mauer fotografieren ließen.

Natürlich schlenderten wir auch durchs weltberühmte Kaufhaus Gum. Das ist eine faszinierende Welt für sich, die wir in Russland nie vermutet hätten. 19:30 Uhr: Abflug nach Mirnyi mit einer Machine der sibirischen Airline Alrossa. Die fünf Stunden in diesem Vogel, dessen Sitzgröße nicht den EU-Richtlinien für die Stallhaltung von Legehennen entspricht, waren eine Qual, die gegen 7 Uhr morgens endete. In Mirnyi wurden wir von unfreundlichen Sicherheitskräften, aber auch von sehr netten Freunden von Walter empfangen, welch Letztere uns zu unserem zeitweiligen Domizil spedierten.

Das Städtchen lebt vom Diamantenabbau in der Umgebung. Sind die Minen ausgebeutet, was wohl bald der Fall sein wird, versinkt Mirnyi im Dornröschenschlaf.   Architektonische Perle kann man Mirnyi wirklich nicht nennen: unattraktive Holzhäuser in ungepflegtem Umland. In Mirnyi stoßen Serge und sein Sohn Sawa zu uns. Serge ist Arzt, was sehr beruhigend für uns ist. Aber – was wir später herausbekamen – er hat noch viele andere Qualitäten. Und Sawa entpuppt sich als Goldstück.

7. August: Et räänt widder wie es Bies. Wir werden trotzdem zum Startpunkt unserer ersten Flussfahrt transportiert, und zwar auf engstem Raum, zwischen all unserem Gepäck, im Kleinbus. Rund 400 Kilometer auf der unbefestigten, verschlammten Diamantenstraße bis knapp südlich vom Polarkreis, das war kein Zuckerlecken. Als wir unser Ziel, die Brücke über den Fluss Markoka beim gleichnamigen Dorf erreicht haben, hat der Regen aufgehört. Kurzer Imbiss in der jakutischen Dorf-Kantine (ein Gehäuse, das wir ohne den Hinweis unseres landeskundigen Führers nie als Gaststätte identifiziert hätten), dann werden die Boote ab- und beladen, und auf geht’s auf dem träge fließendem Fluss, dessen zwar moorig-braunes, aber insgesamt klares Wasser uns beeindruckt.

Vor uns lautes Rauschen. Völlig unerwartet fahren wir in eine verblockte Stromschnelle der WW-Klasse II – III. Alle kommen gut durch, nur unsere drei offenen Canadier nehmen Wasser über. Es folgen einige weitere Schnellen, die aber immer harmloser werden. Eine herrliche Kiesbank lädt uns zum Übernachten ein. Am nächsten Morgen begann die Routine, die sich in den folgenden Wochen kaum änderte: Aufstehen gegen 7:30 Uhr. Walter, Juri, Serge und Sawa haben schon ein Feuer entfacht und die Morgengrütze – entweder Haferflocken, Reis oder Buchweizen – gekocht und Teewasser vorbereitet. Gegen 9 Uhr Start zur ersten Tagesetappe. Nach drei Stunden: Mittagspause, das heißt Holzsammeln und ein Feuer entfachen, Teewasser zum Kochen bringen. Imbiss: solange der Vorrat reichte Speck, Brot und Zwiebeln. Sonst Fischreste vom vergangenen Abendessen. Eine Stunde später Start zur zweiten Tagesetappe. Nach erneut etwa drei Stunden Paddeln Suche nach einem geeigneten Übernachtungsplatz. Zelt aufbauen, Holz sammeln, Feuer anzünden. Abendessen: entweder eine nahrhafte Suppe oder gedünsteten oder in Öl gebratenen Fisch. Rest des Abends: Lagerfeuer-Romantik, anfangs mit Wodka, später nur noch mit Tee. 

Die Zeltplatzsuche war übrigens nie ein Problem. Da die Flüsse Niedrigwasser führten, säumten kilometerlange Kiesbänke die Ufer, die ideale Zeltmöglichkeiten boten. Auch Holz fürs Feuer gab es im Überfluss in der Form von angeschwemmten Totholz , das aber nicht am Ufer lag, sondern zwischen den Bäumen, die auf der zehn bis zwanzig Meter hohen Uferterrasse wachsen. Daraus kann man sich leicht vorstellen, wie hoch das Wasser zur Zeit der Schneeschmelze steht.

Wir hatten in Mirnyi eingekauft: Weißkohlköpfe, Kartoffeln, Möhren, Zwiebeln, Haferflocken, Reis, Buchweizen, Nudeln, Rindfleisch in Dosen, Tee, Zucker, gezuckerte Dosenmilch, Pulverkaffee, Öl, Mehl und Brot. Diese Lebensmittel wurden auf unsere sieben Kajaks und drei Canadier verteilt, wobei natürlich die Canadier den Löwenanteil, vor allem die Küchenutensilien übernahmen. Es war klar, dass unsere Boote nicht alle Lebensmittel fassen konnten, die vierzehn Leute vier Wochen satt machen sollten. Also mussten wir darauf hoffen, an den Flüssen einkaufen zu können und vor allem Fische zu fangen. Mit unterwegs einkaufen war allerdings nicht viel los. Nur in drei Ansiedlungen konnten wir Brot, einige Kohlköpfe und einmal sogar ein Kilo Butter und etwas Marmelade einkaufen. 

Dafür gab es aber massenhaft Fisch. Unsere Angler zogen kiloweise Fische der verschiedensten Art aus dem Wasser, darunter Barsche, Hechte und drei andere Arten, die es in Europa nicht gibt. Alle waren sehr schmackhaft. Wir lebten also gesättigt, allerdings auch etwas eintönig. Letzteres entsprach aber genau den Flüssen, die wir befuhren und der Landschaft, die wir sahen.

415 km auf der Markoka. Nach den Schnellen änderte sich praktisch nichts mehr bis zur Einmündung in die Marcha: zwischen nur gelegentlich etwas schneller fließenden Abschnitten mäanderte der Fluss in endlosen Schleifen und Kurven zwischen bewaldeten Uferterrassen gen Osten.

Und die Marcha? Sie entspricht der Markoka, ist nur eine Nummer größer und fließt von Norden nach Süden. Das bedeutete 635 km paddeln bei einer durchschnittlichen Fließgeschwindigkeit von einem Stundenkilometer.

Das Wasser beider Flüsse ist absolut klar. Zur Sicherheit tranken wir es nur in abgekochten Zustand, denn Biber-Fieber-Erreger können auch in klarem Wasser sein.

Die erwähnte Eintönigkeit erzeugte keineswegs Langeweile, sie vermittelte stattdessen den Eindruck von unendlicher Weite, die den Menschen auf eine Winzigkeit reduziert. Das war schon sehr eindrucksvoll.

An der Markoka sahen wir zwei Bären, eine Elchkuh mit Kalb und zwei Menschen, einen Angler mit Motorboot und Oleg. Oleg  verwaltete ein Camp mit Gästehaus und Sauna (alles recht einfach und aus Holz), in dem gelegentlich Manager der Diamantenminen von Mirnyi Jagd- und  Angelurlaub machten. Sie werden mit Hubschrauber eingeflogen, denn eine Straßenverbindung gibt es nicht. Der einsame Oleg freute sich über die Abwechslung durch unseren Besuch und die vorletzten Wodkareserven wurden vernichtet.

Die Marcha war schon etwas mehr bevölkert. Je weiter nach Süden wir kamen, desto mehr Anzeichen von Zivilisation sahen wir an den Ufern, z.B. Fahrzeugteile und verlassene Blockhäuser. Motorboote befuhren den Fluss, allerdings nur in der Nähe von Ansiedlungen. Dies sind überwiegend Jakutendörfer, in denen Landwirtschaft betrieben wird. Das bewiesen Rinder- und Pferdeherden, die wir an den Ufern sahen. Doch es gab auch Ansiedlungen von Russen. Eine solche war das von Iwan geführte Camp, das dem gleichen Zweck diente, wie das oben erwähnte von Oleg. Es war allerdings viel aufwendiger. Dafür gab es da aber keinen Wodka. Den gab es reichlich bei Anatoli, der in einer primitiven Wetterstation an der Marcha lebte. Anatoli gab keine Ruhe, bevor nicht der letzte Tropfen aus seiner Fünf-Liter-Flasche selbst gebrannten Fusels konsumiert war. Er sorgte auch dafür, dass man neun Brote für uns backte, was unserer Proviantsituation sehr förderlich war.

Ja, Gastfreundschaft wird in Sibirien ganz groß geschrieben, gleichgültig, ob sie von Russen oder Jakuten geübt wird, wie wir das in Malykai erlebten.

Dieses Dorf mit etwa 2500  weit verstreut lebenden jakutischen Einwohnern wollten wir uns unbedingt ansehen. Wir  nahmen uns vor, vorsichtig und zurückhaltend aufzutreten, um den ‚Eingeborenen’ nicht den Eindruck zu vermitteln, wir sähen sie als exotische Schauobjekte an. Also Kameras stets verdeckt halten!

Als wir landeten, erwartete uns bereits eine Delegation von Frauen, schick angezogen, aber in Gummistiefeln, mit Foto- und Videokameras. Wir waren die Schauobjekte! Irgendwie hatten die Dorfbewohner von unserem Kommen gehört. Wie? Keine Ahnung!

Im Triumph führte man uns zuerst zum Denkmal der Toten des Zweiten Weltkriegs, dann zum Schulhaus. Jetzt wurde uns klar: bei den Damen handelte es sich um die Schulleiterin und einige Kolleginnen, um die geistige Elite des Dorfes sozusagen.

Die Schule als solche war über 100 Jahre alt, stammte also noch aus der Zarenzeit. Das Schulgebäude jedoch wurde 2003 errichtet und zwar mit  den Geldern der Diamantengesellschaften in Mimyi. Die Einrichtung war vom Feinsten und vom Modernsten. Das hätten wir in Jakutien nicht erwartet.

Nach der Führung durch die Schule und ihr Museum gab es in der Kantine einen Imbiss.: jeder bekam ein Spiegelei. Große Freude bei uns. Wann hatten wir zum letzten Mal ein Ei gegessen?

Als Abschiedsgeschenk überreichte uns die Schulleiterin einen großen Weißkohlkopf und ein paar Eier. Das war typisch für die sibirische Gastfreundschaft: was man hat – auch wenn es nicht viel ist – wird mit allen anderen geteilt.

Das nächste Dorf würde unser Ziel sein. Dort würde uns ein Bus mit Hänger abholen und zurück nach Mirnyi  bringen.  Freudig erregt – endlich Schluss mit der Paddelei – näherten wir uns dem Dorf. Aber ...kein Bus zu sehen!

Walter fand im Dorf ein Telefon (mit Handy läuft in der Taiga nix) und erfuhr: Der Busfahrer konnte wegen Unpassierbarkeit der Straße nicht zum Zielort durchkommen. Wir mussten zum nächsten Dorf weiterpaddeln. Das bedeutete 140 km in zwei Tagen, sonst verpassten wir unseren Rückflug. Aufkommende Verzweiflung wurde mit Galgenhumor überspielt.

Nach zwei Zehn-Stunden-Paddeltagen erreichten wir bei beginnender Dunkelheit das ersehnte Dorf. Hurra! Bus und Hänger standen bereit, der  Busfahrer hatte ein leckeres Buffet vorbereitet, der Wodka floss in Strömen. Den hatten wir uns verdient nach nunmehr 1050 Paddel-Kilometern.

Am nächsten Morgen wurden die Boote auf den Hänger geladen. Dann alle ab in den Bus! Bus?? Das Gefährt war wohl während der glorreichen Sowjetzeit ein Militärtransporter der Roten Armee. So etwas wie eine grüne Minna, nur nicht so komfortabel. Wir quetschten uns zwischen unserem Gepäck hinein. Unbequem wäre eine drastische Übertreibung. Und damit sollte es 400 km über vermatschte Naturpiste gehen?

Stopp im nächsten Dorf: Einkaufen! Unser Fahrer hatte noch drei Russen mitgebracht. Die sollten, wenn unterwegs etwas passierte, Hilfe holen. Die holten zunächst aber einmal Wodka, zehn Flaschen. Dann wurde vor dem Bus gefrühstückt. Natürlich mit Wodka. Die Dorfbewohner bestaunten uns und machten wohl Witze über uns, die wir aber (leider) nicht verstanden. Dann ... so ganz allmählich ging es weiter. Unsere Russen waren gut drauf. Die vollen Wodkaflaschen kreisten, die leeren flogen aus den Fenstern. Nach kurzer Zeit waren unsere Russen sternhagelvoll und  schnarchten lautstark vor sich hin. Und die sollten Hilfe holen, falls notwendig!

Warten an der Fähre über den Viluyi. Es war Mittagspause, da rührte sich nichts. Dann ging das Gedränge los. In zähem Kampf zwang unser Fahrer (hoch motiviert durch reichlichen Wodkagenuss) sein Gefährt durch die drängelnden PKWs auf die Fähre. Endlich drüben. Stundenlanges Durchgeschütteltwerden, erneut eine Fähre und immer das Schnarchen der besoffenen Russen im Bus.

Nach acht Stunden Rüttel-Schüttel-Fahrt (für ganze 150 km) erreichten wir das Domizil unseres Fahrers. Dort wurde, nach einem hervorragenden Abendessen mit reichlich Wodka, übernachtet. Natürlich gab es auch eine Sauna, die wir benutzten.

Am nächsten Morgen war ein Reifen unseres Busses platt. Macht nix! Bei laufendem  Motor füllte ein Kompressor den Reifen permanent nach. Noch lagen 250 durchschüttelnde Kilometer vor uns auf der ‚Todesstraße’. Die heißt so, weil sie von zu Arbeitslager, d.h. praktisch von zum Tode Verurteilten, angelegt wurde.

Vor dem Start  leerte unser Fahrer noch eine halbe Flasche Wodka, dann ging es los und zwar ohne unsere drei begleitenden Russen, die wohl irgendwo ihren Rausch ausschliefen.

Wieder benutzten wir zwei Fähren und querten mehrmals Wasserläufe über Furten. Ein Reifen des Busses war irreparabel platt. Radwechsel in dreißig Minuten. Dann verlor ein Reifen des Hängers Luft. Einen Reservereifen gab es nicht. Aber so schnell wie möglich, solange die Luft hält, nach Mirnyi. Wettlauf mit der Zeit. Da stoppte uns ein Polizist. Auch das noch! Unsere Russen wurden ganz kleinlaut. Der Fahrer musste mit in die Polizeistation. Wenn die da seine Fahne röchen!

Nach etwa zwanzig Minuten kam unser Fahrer strahlend aus der Polizeistation: er hatte nur eine Verwarnung bekommen, weil Bus und Hänger keine polizeilichen Kennzeichen hatten und weil der Hänger weder Heckbeleuchtung noch Bremslicht noch Richtungsanzeiger hatte. Trotzdem: Gute Fahrt! Darauf erst mal eine Riesenschluck aus der Wodkaflasche. Der lädierte Reifen am Hänger hatte noch etwas Luft. Ab ging’s!

Wir erreichten Mirnyi tatsächlich, aber erst am Abend und mit Müh und Not.

3. September: Rückflug nach Hause. Nicht ganz problemlos, aber wir waren ja einiges gewöhnt.

Fazit: Es war eine eindrucksvolle, erlebnisreiche, aber auch strapaziöse Tour. Wir sind noch Tage nach der Heimkehr kaputt.

Wolfgang Oertel


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